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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2015

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GESETZGEBUNG Hierbei

GESETZGEBUNG Hierbei zeigt sich, dass vor allem Hausmüllverbrennungsaschen (HMVA) sowie Metallhüttenschlacken aus der Kupfer-, Blei- und Zinkgewinnung häufig erhöhte Metallgehalte im Feststoff aufweisen. Darüber hinaus enthalten Stahlwerksschlacken neben den erhöhten Chromgehalten (hier dargestellt) oftmals erhöhte Vanadium- und Molybdängehalte; Bauschuttund RC-Materialien können in Abhängigkeit ihrer Herkunft zum Teil stark erhöhte PAK-Gehalte aufweisen. Zusammen mit der petrografischen Ansprache konnten in Verbindung typischer Stoffgehaltsmuster einzelner Substrate eingebaute Materialien bzw. Materialgemische in 15 Baumaßnahmen identifiziert werden. Abbildung 2 zeigt beispielsweise, dass sich bleihüttenschlackendominierte Bettungsmaterialien über stark erhöhte Zink-, Blei-, Antimon- und Arsengehalte und kupferschlackendominierte Materialien insbesondere über stark erhöhte Kupfergehalte identifizieren lassen. Auch bei mit Natursand und -kiesen „verdünnten“ Stoffgemischen konnte über die typischen Belastungsmuster auf das eingebaute Substrat geschlossen werden: So liegt bei Bleischlacken das Cu:As-Verhältnis < 5 bei Kupferschlacken dagegen >100. Auch wenn in der Regel keine Feststoffgehalte für die Bewertung der Umweltverträglichkeit von Ersatzbaustoffen definiert sind, sollten diese im räumlichen und zeitlichen Kontext von Baumaßnahmen mit in Betracht gezogen werden: So kann belastetes Material etwa durch Verschleppung / Verwehung auf Offenbodenflächen in angrenzende Gärten, Park- oder Kinderspielflächen zu einer möglichen Gefährdung über den Wirkungspfad Boden – Mensch nach BBodSchG führen. Auch sind ggf. gesonderte Arbeitsschutzmaßnahmen einzuhalten, um ein mögliches Einatmen von Partikeln beim Einbau zu verhindern. Und nicht zuletzt kann bei Zugänglichkeit des Materials vor dem versiegelnden Einbau bzw. bei Wiederaufbruch der Versiegelung (z. B. als zugängliches, nicht abgedecktes Haufwerk) bei stark erhöhten Gehalten von Arsen oder Antimon die einmalige Aufnahme durch Kleinkinder im ungünstigen Fall zu akuten Wirkungen führen. Nach [9] besteht ab 100 mg/kg Arsen (resorptionsverfügbar) bereits nach einmaliger oraler Aufnahme von 10 g Boden die Gefahr solcher akuten Wirkungen – dies ist ein Bereich, in dem sich die Gehalte von Hausmüllverbrennungsaschen und Metallhüttenschlacken bewegen können. Substrat Regelwerk Klasse Zn Pb Cu Sb As Cr Ni Cd Recyclingbaustoff TL Gestein-StB RC-1 100 40 50 -- 10 30 50 2 Hausmüllverbrennungsasche Verwerterlasse NRW RC-2 300 100 150 -- 40 75 100 5 RC-3 400 100 200 -- 50 100 100 5 RCL I 200 40 100 -- -- -- 30 5 RCL II 400 100 200 -- -- -- 100 5 LAGA M 20 (1997) Z 0 100 20 50 -- 10 15 40 2 Z 1.1 100 40 50 -- 10 30 50 2 Z 1.2 300 100 150 -- 40 75 100 5 Z 2.2 400 100 200 -- 50 100 100 5 TL Gestein-StB HMVA-1 300 50 300 -- E 50 40 5 Verwerterlasse NRW HMVA-2 300 50 300 -- E 50 40 5 HMVA-I 300 50 300 -- -- 50 -- 5 HMVA-II 300 50 300 -- -- 50 -- 5 Bleischlacke TL Gestein-StB -- -- -- -- -- -- -- -- Verwerterlasse NRW 200 200 -- -- 50 -- 40 5 Kupferschlacke TL Gestein-StB 200 100 100 -- -- -- -- -- substratübergreifend Verwerterlasse NRW 200 100 100 E -- -- -- -- MALBO 17 (2003) [5] OW-1 270 10 14 -- 10 12 14 1,5 OW-2 310 100 40 -- 30 40 20 3 BBodSchV (1999) PW* 500* 25* 50* 10* 10* 50* 50* 5* DepV (2013) DK 1 2000 200 1000 30 200 300 200 50 DK 2 5000 1000 5000 70 200 1000 1000 100 DK 3 20 000 5000 10 000 500 2500 7000 4000 500 Übersicht über in verschiedenen Regelwerken festgelegte S4-Eluatwerte (Auswahl) -- = kein Wert angegeben E = Wert zur Erfahrungssammlung mitzubestimmen, wird nicht zur Beurteilung herangezogen OW-1 und OW-2 = Orientierungswerte zur Einschätzung einer Prüfwertüberschreitung am o.d.B. * = in-situ-Prüfwert für den Wirkungspfad Boden – Grundwasser am Ort der Beurteilung 10 TerraTech 1/2015

GESETZGEBUNG Eluatgehalte von mineralischen Abfällen Die Belastungshöhen und -muster typischer S4-Eluatgehalte von acht in den NRW-Verwerterlassen geregelten mineralischen Abfällen zeigt Abbildung 3; für diese sind zum Teil Grenzwerte für den Einbau festgelegt (Tabelle). Mithilfe dieser Übersicht können bei bekannten Materialien potenzielle „Problemparameter“ hinsichtlich des Wirkungspfades BodenWasser nach BBodSchG vorab abgeschätzt werden. In Abbildung 4 sind die gemessenen S4-Eluatgehalte der eingebauten Materialien dargestellt. Die hohe Schwankungsbreite resultiert auch aus verschiedenen Mischungsverhältnissen der schadstoffdominierenden Substrate mit weniger bzw. unbelasteten Materialien („Verdünnungseffekt“, z. B. durch Sand-/Kies). Hierbei zeigt sich, dass in den eingebauten blei- und kupferschlackendominierten Bettungsmaterialien für die Parameter Zink, Kupfer, Antimon und Arsen stark erhöhte Gehalte im S4-Eluat auftreten. Für beide Letztgenannten sind in den geltenden Regelwerken in Unkenntnis ihres möglichen Vorkommens zum Zeitpunkt des Inkrafttretens z. T. keine Grenzwerte festgelegt. Zieht man jedoch heutige Erkenntnisse und Werte aus anderen Regelwerken heran, zeigt sich, dass diese unter teilversiegelten Pflasterflächen eingebauten Materialien eine mögliche Gefährdung für den Wirkungspfad Boden – Grundwasser nach BBodSchV darstellen können. Einige festgestellte Arsen- und Antimon-Konzentrationen sind derart hoch, dass sie bei einer Entsorgung die in der Deponieverordnung festgelegten Konzentrationen für die Deponieklasse 2 übersteigen würden. Umsetzung der rechtlichen Anforderungen in der Praxis 03 Übersicht typischer S4-Eluatgehalte (µg/L) in Ersatzbaustoffen (Auswahl) k. A. = keine Angabe 04 Gemessene S4-Eluatgehalte (µg/L) im Bettungsmaterial von 15 Baumaßnahmen aus fünf Kommunen mit Belastungsverdacht am Niederrhein, Nordrhein-Westfalen (n=37) blau: bleischlackendominiert, rot: kupferschlackendominiert, grün: Substratgemisch Wie dargestellt wird die Verwendung von mineralischen Ersatzbaustoffen in NRW im Hinblick auf den vorsorgenden Umweltschutz derzeit durch verschiedene Regelwerke, insbesondere die sogenannten „NRW-Verwertererlasse“, für eine Vielzahl von Abfallarten geregelt [4]. Bei der Umsetzung der komplexen gesetzlichen Anforderungen an die Umweltverträglichkeit kommt es jedoch, wie anhand aktueller Fälle von nicht sachgerecht eingebauten Bettungsmaterialien gezeigt, in der Praxis immer wieder zu Defiziten, von denen hier einige dargestellt werden. Um das jeweils zutreffende Regelwerk mit den einzuhaltenden Schwellenwerten heranzuziehen, ist das verwendete Material eindeutig zu Identifizieren. Eine rein optisch / haptische, ja selbst eine aufwändige petrografische Identifikation, ohne weitere Informationen über Herkunft und Entstehungsweg erfordert viel Erfahrung und Fachwissen. Beteiligte Baugrund-Gutachter, Zulassungsbehörden (i. d. R. Untere Wasserbehörden) und die Bauleitung am Ort des Einbaus sind hier häufig überfordert. So werden Unterschiede zwischen den eingesetzten Ersatzbaustoffen oftmals nicht, zum Teil nicht einmal Unterschiede zwischen Naturmaterialien und Ersatzbaustoffen erkannt; hierbei stellt die Kontrolle aller möglichen auf einer komplexen Baustelle einsetzbaren Ersatzbaustoffe immer höhere Anforderungen. Eine entsprechende Sensibilisierung der beteiligten Überwachungsinstanzen fehlt in der Baubranche jedoch häufig. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich häufig um Materialmischungen handelt, die ggf. unter einem neuen Produktnamen vertrieben werden, der keine Rückschlüsse auf die eigentliche Herkunft des Materials zulässt. Je nach Mischung kann dabei ein Habitus erreicht werden, der einem Naturmaterial täuschend ähnlich sieht. Zu beachten ist hierbei, dass beispielsweise im Rahmen der NRW-Verwerterlasse nur Mischungen bestimmter Ausgangsmaterialien in bestimmten Verhältnissen zulässig sind. Wie aktuelle Urteile zeigen, ist es von Seiten der Auftraggeber, z. B. der Bauämter, ein zum Teil verbreiteter Irrtum, dass mit dem häufig verwendeten bautechnischen Begriff „Brechsand-Splitt-Gemisch“ oder mit der TerraTech 1/2015 11