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wlb - UMWELTTECHNIK 4/2017

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wlb - UMWELTTECHNIK 4/2017

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t WASSER/ABWASSER t TITEL ANLAGENBAU PROZESSWASSER ERFOLGREICH AUFBEREITET Ein Unternehmen, das mit dem natürlichen Rohstoff Weizen arbeitet und daraus alle möglichen funktionellen weizenbasierten Produkte erzeugt, stellt hohe Qualitäts- und Umweltanforderungen an seine Prozesse. Deshalb wurde das Aufbereitungs- und Abfallmanagement jetzt durch ein System der chemisch/physikalischen Behandlung des Abwassers aus der Weizenstärkeherstellung neu ausgerichtet und optimiert. Autor: Klaus Bucher, Bucher Communications, Ratingen Seit über 150 Jahren steht der Name Crespel & Deiters für Produktlösungen aus dem natürlichen Rohstoff Weizen. Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im münsterländischen Ibbenbüren zerlegt den Weizen in seine originären Bestandteile und bietet mit ihnen Produkte für eine ganze Reihe von Branchen an. Dies sowohl für den Food- und Non-Food-Bereich, in denen Weizenstärke, -proteine, -fasern und Weizenextrakt zum Einsatz kommen. Aber auch für die Petfood- und Feed-Industrie werden Lösungen für gesundes Futter von Haus- und Nutztieren entwickelt. Gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner Extruded Cereal Products ist durch Extrusion das erzeugte Weizenprotein die Basis für Cerealien, Snacks, Süßwaren sowie vegetarische und vegane Lebensmittel. Diese Sortimentsschiene nutzt das Partnerunternehmen Loryma, um die Produkte in der Lebensmittelindustrie zu vermarkten. Die weizenstärkebasierten Klebestoffkonzepte für hochwertige Wellpappe in der Verpackungsindustrie sind nur ein Bereich im Non-Food-Sektor. Technische Applikationen auf Weizenbasis für die Herstellungsprozesse Pelletieren, Brikettieren und Kompaktieren finden Anwendung in einer ganzen Reihe von Industriezweigen. 30 wlb UMWELTTECHNIK 4/2017

t t t TITEL WASSER/ABWASSER Weizenstärkeherstellung ist ein Beweis für den hohen Stellenwert des Umweltschutzes im Unternehmen. Bisher wurde das Abwasser aus der Stärkeproduktion in Tanks und Behältern gesammelt und in gewissen zeitlichen Abständen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen verregnet. Hoher organisatorischer Aufwand, steigende Kosten und eine Option für mehr Umweltschutz führten zu einer neuen Bewertung der Situation mit entsprechenden Lösungsansätzen. Neben der Einleitung des Abwassers in eine Filteranlage sollte zum einen die Behandlung über Zugabe von Fällungs- und Flockungsmitteln für ein einleitfähiges Filtrat möglich sein, um weiter entwässerten Schlamm zu entsorgen. Zum anderen sollte jedoch alternativ die umweltfreundlichere Behandlung ohne eingesetzte Chemikalien erfolgen können. In diesem Zusammenhang gab es Überlegungen, die nach der Sedimentation entstehenden Schlämme in einer Biogasanlage zu verwerten. Für die praktische Umsetzung entschied Crespel & Deiters sich für den Anlagenaufbau ohne Zugabe von Behandlungschemikalien für ein einleitungsfähiges Abwasser. „DIE ERFAHRUNGEN VON CRESPEL & DEITERS MIT DEM MEDIUM UND UNSER KNOW-HOW IM ANLAGENBAU WIRKEN HIER OPTIMAL ZUSAMMEN.“ Alex Leiblein, Geschäftsführer, Leiblein GmbH Die Arbeit mit dem natürlichen Rohstoff Weizen und die Herstellung funktioneller weizenbasierter Produkte sind für das Unternehmen bindende Verpflichtung für hohe Qualitäts- und Umweltstandards. Die Zertifizierungen über ein weites Spektrum von Anforderungen belegen dies. Und auch das neue System der chemisch/physikalischen Behandlung des Abwassers aus der FILTERANLAGE ENTZIEHT TRÜBSTOFFE Die Leiblein-Filteranlage ist auf einen Durchsatz von 12 m³/h ausgelegt. Über die Zuführung von zwei Tonnen Prozesswasser pro Zeiteinheit werden dem Medium ca. 85 kg/h an Trübstoffen entzogen. Zur Erfüllung dieser Anforderungen gelangt das Prozesswasser aus der Stärkeproduktion von den verschiedenen Anfallstellen in einen Rotationsklärer (Siebtrommel). Nach der dortigen Vorreinigung steuert das Medium einen Vorlagetank als Zwischenlager an, von dem aus wahlweise die Beschickung an einen bauseitigen Vorlagetank als weiterer Puffer für größere Anfallmengen oder direkt an den Vorlagetank der Behandlungsanlage erfolgt. Dort sorgt die Zugabe von Kalkmilch dafür, den pH-Wert einzustellen. Den erhöht aufgestellten Reaktionsbehälter erreicht das Prozesswasser über eine Pumpe. In diesem realisiert ein Rührwerk die gewünschte Homogenisierung des Mediums. Sollte sich die Aufgabenstellung für einen wiederverwendbaren Stärkeschlamm ändern, kann der Reaktionsbehälter seiner Bezeichnung entsprechend zum Einsatz kommen. Durch Zugabe eines Spalters und Flockungshilfsmittel – eben Chemie –, ist dort eine gut absetzbare Flocke im Gemisch zu erzielen. Hieran wäre ebenfalls zu denken, wenn die Einleitung in die öffentliche Kanalisation, ein Heraus ziehen größerer Mengen an Trübstoffen unumgänglich machen würde, was aber für den jetzigen Filterprozess auszuschließen ist. LAMELLENKLÄRER ÜBERNEHMEN SEDIMENTATION Die nachgeschaltete Sedimentation übernehmen zwei Lamellenklärer, die nach dem Leiblein-Schrägklärerprinzip arbeiten und wahlweise parallel oder hintereinander zu betreiben sind. Der mit diesem Wirkprinzip erzielte Stärkeschlamm ist der Nutzung in Biogasanlagen zuzuführen, während das Abwasser nach Durchlaufen der Filteranlage ohne weitere Zugabe von Behandlungschemikalien einleitungsfähig in die öffentliche Kanalisation abfließt. Der umweltgerechte Kreislauf des Prozesswassers der Weizenstärkeproduktion bei Crespel & Deiters ist durch die Leiblein-Filteranlage wlb UMWELTTECHNIK 4/2017 31