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wlb - UMWELTTECHNIK 4/2017

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wlb - UMWELTTECHNIK 4/2017

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t UMWELTTECHNIK 4.0 COMPLIANCE NEUE GESCHÄFTS­ MODELLE Auf vielen Unternehmen der Abfallwirtschaft lastet der Druck von immer neuen Rechtsvorschriften, die sie mit den verschiedensten Softwarelösungen zu bewältigen versuchen. Die Umsetzung von Industrie 4.0 kann in Zukunft dabei helfen, auch abfallwirtschaftliche Prozesse zu entschlacken und Fehler zu vermeiden. Prof. Dr. Görge Deerberg, stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer Institut Umsicht kommentiert für wlb UMWELTTECHNIK, wie die vierte Revolution der Abfallwirtschaft aussehen könnte. Industrie 4.0 ist ein Konzept, das der industriellen Produktion durch die digitale Vernetzung von Produktionsanlagen, Logistik und Produkten völlig neue Produktionsmöglichkeiten eröffnen soll und signifikante Effizienzsteigerung erhoffen lässt. Aufenthaltsort, Zustand und Aktivität von Produkten, Produktionseinrichtungen und Infrastruktur sollen jederzeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfass- und austauschbar sein. In Verbindung mit einer Intelligenz, die kostengünstige Kleinstcomputer, Sensoren und Drahtloskommunikation den einzelnen Bausteinen verleihen, können Produktionsabläufe bedarfsgerecht und effizient organisiert werden oder sich selbst organisieren. Dies ermöglicht eine flexible und schnelle Reaktion auf Änderungen der Umgebungsbedingungen oder sich wandelnde Anforderungen. So kann z. B. ein Abfallcontainer seinen Füllgrad und die Art des Inhalts ermitteln und seinen Abholungstermin drahtlos übermitteln. Cyber-physische Systeme, eine Mischung aus realem t PRODUKT- UND RESTSTOFFSTRÖME WERDEN KÜNFTIG BESSER ERFASST SEIN und virtuellem System, ermöglichen derartige Funktionalitäten. Ein reales Objekt erhält einen digitalen Zwilling, der in der virtuellen Welt das reale Objekt mit seinen relevanten Eigenschaften abbildet. Dies eröffnet der Produktion und anderen technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen vielfältige Möglichkeiten. Da sie das Potenzial haben, das gesamte Lebensumfeld der Menschen zu verändern, wird von der vierten industriellen Revolution gesprochen. 26 wlb UMWELTTECHNIK 4/2017

t Full Service in Place INDUSTRIE 4.0 SPIELT DERZEIT NOCH EINE UNTERGEORDNETE ROLLE Diese Entwicklung wird auch die Abfallwirtschaft beeinflussen. Vordergründig werden neue Betriebs- und Wartungskonzepte für den Fahrzeug- und Anlagenpark verfügbar sein. Produkt- und Reststoffströme werden künftig besser erfasst sein. Erste Bestrebungen im Elektronik- und Automobilbereich zielen auf eine Erfassung und Verfolgung der Rohstoffinhalte in Produkten, z. B. durch das Konzept des digitalen Zwillings. So können jederzeit Aussagen für die Planung und den Betrieb von Kreislaufsystemen getroffen werden. Bedeutsam dürften längerfristig Änderungen in Reststoffströmen durch neue Geschäftsmodelle sein, die auch die Grundlagen der Abfallwirtschaft wandeln. So sind auf Basis der 4.0-Technologien dienstleistungsbasierte Geschäftsmodelle in der Entwicklung, die die Nutzung von Gütern und nicht den Besitz in den Mittelpunkt stellen. Modernes Carsharing ist ein Beispiel. Gleichzeitig zeichnet sich aus Klima- und Ressourcenschutzgründen eine neue Circular Economy ab. Hier sollen die eingesetzten Stoffe über den Lebenszyklus der Waren hinaus im Stoffkreislauf verbleiben. Emissionen, Abfälle und Rohstoffverbrauch sollen soweit wie möglich verringert werden. In der Circular Economy sind Reststoffe die Rohstoffe der Zukunft. 4.0-Technologien unterstützen die neuen Geschäftsmodelle und die Circular Economy. In vielen Segmenten wird der Hersteller einer Ware diese nicht mehr an einen großen Markt verkaufen, denn im Mittelpunkt steht die Nutzung. Der Produzent wird weiter Inhaber des Produktes sein. Nach Ende der Nutzungsdauer ist der Produzent damit auch Besitzer der Reststoffe und verfügt somit über die Rohstoffe für seine eigene Produktion. Industrie 4.0 spielt trotz Bestehen erster Handlungsansätze in der Abfallwirtschaft derzeit noch eine eher untergeordnete Rolle. Sie wird bisher im Wesentlichen zur Unterstützung bei der Erfassung und in der Logistik sowie in der Instandhaltung und Wartung des Anlagen- und Fahrzeugbestands diskutiert. Neue Geschäftsmodelle können aber Potenziale für eine zukünftige Abfallwirtschaft 4.0 eröffnen. Die Abfallwirtschaft wird hierauf mit eigenen Innovationen reagieren müssen. Erleichterte Wartung und Service: Freier Zugriff auf alle Verschleißteile Ab sofort können Sie NEMO® Exzenterschneckenpumpen komplett im eingebauten Zustand warten – ohne Spezialwerkzeug, und das in der Hälfte der Zeit. Fragen Sie nach unseren Umbau-Sets oder steigen Sie bei Neuanschaffung in die FSIP®-Baukastentechnologie ein. BESUCHEN SIE UNS! acqua alta in Essen 10.01. – 12.01.2018 Halle 3.0, Stand 3E41 NETZSCH Pumpen im FSIP®-Design Fotos: Fraunhofer Umsicht/Ilka Drnovsek; Fotolia.de www.umsicht.fraunhofer.de www.netzsch.com