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wlb - UMWELTTECHNIK 3/2018

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wlb - UMWELTTECHNIK 3/2018

t WASSER/ABWASSER

t WASSER/ABWASSER COMPLIANCE ÖKOLOGISCHE KLÄRSCHLAMM- VERWERTUNG Wohin mit dem Klärschlamm? Welche gesetzlichen Vorgaben sind einzuhalten? Welche Handlungsstrategien gibt es überhaupt? Und wie sieht am Ende die auf die Bedürfnisse von Kläranlagenbetreiber optimal zugeschnitte Variante aus? Es sind wichtige Entscheidungen zu treffen – jetzt, nicht erst in ein paar Jahren. Autor: Paul Antonio Lardon, Vertriebsleiter Berlin/Brandenburg, Veolia Deutschland GmbH, Berlin Landet heute noch etwa ein Drittel des bei der Abwasserbehandlung anfallenden Klärschlammes als Dünger auf den Feldern, muss er künftig thermisch verwertet werden – zum Schutz der Umwelt. In Boxberg/O.L. baut Veolia beginnend im Jahr 2019 auf dem Kraftwerksgelände der Leag eine hochmoderne Trocknungsanlage für Klärschlamm. Damit investiert Veolia nicht nur in die Region, sondern in eine nachhaltige Verwertung von Klärschlamm. „Mit dieser Trocknungsanlage können wir den Betreibern kommunaler Kläranlagen in der Region, die ihren Klärschlämm aufgrund der veränderten gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr landwirtschaftlich verwerten können, eine kosteneffiziente und zugleich ökologisch sinnvolle Alternative zu anderen Verwertungswegen bieten“, erklärt Laurent Hequet, Leiter des Geschäftsbereiches Wasser bei Veolia. Pro Jahr sollen in der neuen Anlage bis zu 50 000 t Klärschlamm getrocknet werden. Das geschieht durch Restwärme aus dem Kraftwerksbetrieb der Leag. Die Leag ist gemeinsame Dachmarke der Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz Energie Kraftwerke AG. Dem angelieferten Schlamm wird mithilfe eines Biocon- Bandtrockners die Feuchtigkeit entzogen. Am Ende des Trocknungsprozesses bleiben rund 14 000 t Klärschlammgranulat übrig. Dabei handelt es sich um einen hochwertigen Ersatzbrennstoff, der qualitativ hinsichtlich seiner Brennbarkeit der Braunkohle entspricht und dabei umweltfreundlich ist. Das Klärschlammgranulat wird schließlich im benachbarten Boxberger Kraftwerk verbrannt und in Strom um gewandelt oder in regionalen Zementwerken verwertet. Täglich, so die Vorausschau, werden LKW zwischen 150 bis 200 t Klärschlamm anliefern. Rund 6,5 t Klärschlamm durchlaufen stündlich den Trockner. Das sind umgerechnet 100 kg pro Minute. KURZE WEGE UND GERINGERE KOSTEN Um die Anlieferung des Schlamms und alle logistischen Fragen kümmert sich die TVF Waste Solutions GmbH, die Klärschlammexperten der Veolia-Gruppe. Matthias Staub, Geschäftsführer von TVF: „Mit einer regionalen Trocknungsanlage, die kurze Wege sichert, ergeben sich zwangsläufig wesentlich geringere Kosten für den Transport des Klärschlammes. Weite Wege erübrigen sich, die logistischen Anforderungen sind auf ein Mindestmaß reduziert. Auch die Notwendigkeit, eine andere und noch dazu kostenintensivere Aufbereitung des Klärschlammes in Betracht zu ziehen, die den veränderten gesetzlichen Anforderungen im Umgang mit Klärschlamm entspricht, entfällt.“ Bisher gibt es im Umkreis von 200 km keine vergleichbare Anlage. „Indem wir den Kommunen eine standortnahe Verwertung ihres Klärschlammes ermöglichen, leisten wir gleichermaßen einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Denn der reduzierte Transportaufwand verringert genauso wie die Mitverbrennung des Klärschlammes im Kraftwerk den Ausstoß von CO 2 “, erklärt Carsten Marschner, Leiter des Leag-Kraftwerkes in Boxberg. Ein Teil der dort anfallenden Restwärme wird direkt zum Trocknen des Klärschlammes eingesetzt. „Wertvolle Energie geht damit nicht verloren, sondern wird sinnvoll genutzt, natürliche Ressourcen können geschont und Kreisläufe sinnvoll geschlossen werden. Marschner hebt hervor: „Das war ein wichtiger Aspekt, der dafür sprach, in unmittelbarer Nähe zu unserem Kraftwerk eine Trocknungsanlage zu bauen.“ GESPRÄCHE MIT POLITIK UND BEVÖLKERUNG In Vorbereitung dieses Projektes hat man frühzeitig das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht, insbesondere mit der Politik, aber 18 wlb UMWELTTECHNIK 3/2018

t WASSER/ABWASSER 01 02 auch mit der Bevölkerung. Befürchtungen, die Trocknungsanlage könnte vermehrt zu Belästigungen durch Lärm, Gerüche und Schadstoffemissionen sorgen und zudem wesentlich mehr Lkw- Verkehr verursachen, konnte man in vielen Terminen und Informationsveranstaltungen ausräumen. Die Region wird mit diesem Millionen-Projekt zum Vorreiter in Sachen ökologischer Klärschlammverwertung. Indem Restwärme des Kraftwerkes für den Trocknungsprozess genutzt wird, wird nicht nur der Energieverlust im Kraftwerksprozess selbst reduziert. So kann auf eine zusätzliche Wärmeerzeugung für die Klärschlammtrocknung verzichtet werden. 2018 sollen die Planungen und Abstimmungen mit allen Beteiligten – ob Politik oder Bevölkerung – abgeschlossen werden, um die Anlage 2019 dann bauen zu können. Für das Jahr 2020 ist ihre 01 Dem angelieferten Schlamm wird mithilfe eines Biocon-Bandtrockners die Feuchtigkeit entzogen 02 Pro Jahr sollen in der 2 100 m² großen Anlage bis zu 50 000 t Klärschlamm getrocknet werden Inbetriebnahme vorgesehen. Ein Großprojekt von Veolia, das einerseits hilft, den Industriestandort Boxberg/O.L. nachhaltig zu stärken und andererseits die Zukunft des benachbarten Kraftwerkes der Leag zu sichern. All das ist verbunden mit positiven Effekten für die Umwelt und für die kommunalen Kassen sowie in puncto Abwassergebühren letztlich auch für den Geldbeutel des Einzelnen. www.veolia.de